Archiv der Kategorie 'Pressearchiv der Grevener Str. 59'

Pressearchiv der Besetzung Grevener Str. 59 (bitte anklicken zum anschauen)

MZ am 16.10.07
MZ am 16.10.07

MZ und WN am 06.10.07
WN und MZ am 06.10.07

Ein LeserInnenbrief

PDS/LL gegen Kriminalisierung
MZ28-04-07

…auch die Bildzeitung „berichtete“
Bild-Artikel

Berichte nach der Räumung
Bericht nach der Räumung WN
Bericht nach der Räumung WN

Räumung
Räumunsbericht Hallo MS
Räuungsbericht Kaufen + Sparen
Foto Hallo MS vom Beginn Abriss
Bericht Räumung MZ
Bericht Räumung MZ
Sammlung Einleitungen Berichte Räumung
Bericht Räumung WN

Städtbauliches
W+S Pläne
WGM
geplante Bauprojekte
Pläne W+S
Pläne W+S

Treffen der MieterInnen der Häuserzeile 39 – 55 mit Verwaltung und Politik
2204

Diskussion um das Treffen zwischen AnwohnerInnen und Stadtverwaltung/Wohn-und Stadtbau
anwohner

Leserbrief aus den Westfälischen Nachrichten
erstens

Interviews aus der „Hallo Münster“-Gratiszeitung
neu1


Leserbrief aus der „Hallo Münster“

neu2

Wohnungsnot für ALG2-Empfänger_innen in Münster:
19

Leser_innenbrief
18

Presse und Poltiker zu Besuch (WN 12.04.)

Leser_innenbrief
16

Hallo Münster schreibt:
15

Jetzt wird umgebaut (MZ 11.04.)

13

„Sozialer“ Wohungsbau in Münster
zwölf

Grüne melden sich zu Wort
11

Presse kommt zu Besuch in unser spießiges Wohnzimmer
sieben

Mietpreise in Münster
fünf

Billig wohnen aber wo?

Die ersten Presseartikel
drei

zwei

eins

Artikel aus der Jungen Welt
04.04.2007 / Inland / Seite 5

Eingänge verbarrikadiert
Zum dritten Mal in einem Vierteljahr haben junge Leute in Münster eine leerstehende Häuserzeile besetzt. Sie wollen dort ein autonomes Kulturzentrum einrichten

Von Gerrit Hoekman

Kaum waren sie draußen, schon sind sie wieder drin: Am Dienstag sind zum dritten Mal innerhalb eines Vierteljahres Besetzer in eine leerstehende Häuserzeile an der Grevener Straße in Münster eingezogen, um sie vor dem Abriß zu bewahren. »Wir werden mit dieser Besetzung Tatsachen für Politik, Verwaltung und ihre verlogene Wohn + Stadtbau schaffen«, erklärten die überwiegend jungen Leute kämpferisch. Erst am Freitag waren Besetzer nach zwei Wochen freiwillig aus einem Nachbarhaus abgezogen, das wie die anderen dem Ausbau einer stark befahrenen Straße weichen soll. Die Tage der seit Jahren größtenteils leerstehenden billigen Wohnungen schienen gezählt, der letzte Mieter hat bereits die Umzugskartons gepackt.

Zu früh gefreut, denn nun wird es wohl länger dauern, bis die Bagger anrollen können. Dieses Mal wollen die Besetzer nämlich nicht klein beigeben, die Tür haben sie bereits verbarrikadiert. »Ab sofort werden die Wohnungen wieder bewohnt«, kündigten sie an. Die Mietskasernen gehören zu den mit Abstand billigstenBehausungen in der Nähe der Innenstadt, wo Wohnungen für Normalsterbliche unbezahlbar sind. Die Mieten in der Universitätsstadt Münster sind in den letzten Jahren in schwindelerregende Höhen geschossen.

Den Besetzern geht es aber nicht nur um Wohnraum, sie wollen dort auch das autonome Kulturzentrum einrichten, das ihnen CDU-Oberbürgermeister Berthold Tillmann vor Jahren versprochen hat. Damals war Münsters autonome Szene unerlaubt in eine leerstehende Schule gezogen. Nach Verhandlungen mit der Stadt verließen die Besetzer das Gebäude, das kurz darauf abgerissen wurde. Bis heute hat Tillmann sein Versprechen nicht eingelöst, das Gelände liegt immer noch brach.

»Wir wollen keine Räumung, das kostet nur viel Geld«, sagte Geschäftsführer Klemens Nottenkemper gegenüber junge Welt. Er baut darauf, daß die Besetzer, wie früher schon, freiwillig abziehen. Der letzte Mieter verlasse in den nächsten Tagen seine Wohnung. Sollten die Besetzer dann noch im Haus sein, werde man wohl oder übel doch noch räumen lassen. »Wir wollen hier preiswerten Wohnraum schaffen«, verspricht er.

Genau das aber bezweifeln die jungen Leute: Die öffentlich geförderten Wohnungen, die dort entstehen sollen, seien 60 Cent pro Quadratmeter teurer, die freifinanzierten sogar über vier Euro. In jedem Fall stünde am Ende weitaus weniger billiger Wohnraum zur Verfügung als im Moment.

Daß die Solidarität der Münsteraner so groß sein wird wie 1973, als Lehrlinge und Studenten die Frauenstraße 24 okkupierten und mit Barrikaden und Stacheldraht verrammelten, ist eher unwahrscheinlich. Damals sammelten die Bürgerinnen und Bürger sogar Geld für die Besetzer, und kommunistische Bergleute aus Castrop-Rauxel brachten Koks zum Heizen.

Den heutigen Protestierern hingegen fehlt die Kohle an allen Ecken und Enden. An eine Lösung wie seinerzeit bei der Frauenstraße ist nicht zu denken: In dem okkupierten Haus befindet sich heute eine linke Kulturkneipe, in der neulich die junge Welt mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion zu Gast war. Der Besuch, der den Besetzern der Grevener Straße in den nächsten Tagen vermutlich ins Haus steht, ist weniger angenehm – es dürfte wohl ein Sondereinsatzkommando der Polizei sein.

Artikel im Online-Archiv der Jungen Welt